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Digitale Medien sinnvoll nutzen

07.04.19
 

Digitaltrainer und Medienpädagoge Daniel Wolff, der lange Jahre als IT-Journalist, gearbeitet hat, gab Schülern und Lehrern der Grund- und Mittelschule Pfeffenhausen Einblicke in aktuelle digitale Lebenswelten

Smartphones, Whatsapp, YouTube, Computerspiele und digitale Medien beeinflussen unsere Gesellschaft so tiefgreifend, dass wir erst langsam erahnen, was da gerade passiert, so Wolff. Viele Kinder verbringen heute mehr Zeit vor den Bildschirmen digitaler Medien als in der Schule. Folgende Fragen waren Inhalt seiner Vorträge. Dürfen Kinder schon auf Instagram oder Snapchat? Was ist Tik Tok? Was sind Cybermobbing und Sexting? Wie erkenne ich Fake News? In zwei packenden Workshops erfuhren die Pfeffenhausener Schülerinnen und Schüler der 5.- 8. Klassen zusammen mit ihren Lehrkräften mehr über Chancen und Gefahren digitaler Medien. Bedingt durch die rasante Verbreitung der Smartphones gibt es laut Wolff in vielen Bereichen kaum wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Auswirkungen der massiven Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen.

Es liegt in erster Linie an den Eltern einen vernünftigen Weg für die häusliche Medienerziehung zu finden. Dafür müssen diese aber erst einmal verstehen, was die Kinder im Internet tatsächlich machen. Mit dem Smartphone kann man viel mehr tun als nur mobil zu telefonieren. Daniel Wolff stellte bei den Kindern allseits bekannte YouTube-Stars wie Julian Bam, Bibi, Gronkh oder Simon Desue ebenso vor wie die gängigen Social-Media-Plattformen Instagram, Snapchat und Tik Tok.

Für die anwesenden Lehrer offenbarte dieser Ausflug in die digitale Lebenswelt der Kinder völlig neue Erkenntnisse. Eine erstaunlich hohe Zahl von Kindern gab an, dass sie daheim keinerlei Zeitlimit einhalten müssten und das Smartphone sogar nachts im oder am Bett behalten dürften. Die Pfeffenhausener Lehrkräfte waren erstaunt mit welchen Apps und Youtube-Influencern sich die Schüler in ihrer Freizeit daheim stundenlang befassen und vor allem, wie viele ihrer Schüler chatten, surfen oder bis tief in die Nacht hinein zocken. Dass manche Kinder, vor allem nach dem Wochenende todmüde und unkonzentriert in der Schule sind, wunderte die Lehrkräfte nicht mehr.

Digitaltrainer Wolff erläuterte, dass emotional aufwühlende Inhalte kurz vor dem Einschlafen nicht gut für die Nachtruhe sind und zudem der hohe Anteil an blauem Licht auch schwach leuchtender LED-Bildschirme die Bildung des Schlafhormons Melatonin [1] beeinflussen. Immer wieder erfahren die Lehrkräfte von „Cybermobbing“, also dem absichtlichen Beleidigen, Belästigen oder Bedrohen von Personen im Internet, was derzeit an nahezu allen Schulen in Deutschland ein großes Thema ist. Welche Auswirkungen Cybermobbing haben kann, vor allem, weil der Täter die Reaktion des Opfers nicht sieht und das Opfer nicht weiß, wer die Beleidigungen noch alles gesehen hat, zeigte Wolff eindrucksvoll auf.

 Auch wenn der Klassen-Chat auf Whatsapp über Nacht manchmal Hunderte von „Neuigkeiten“ produziert, so gibt es keinen einzigen guten Grund für ein Smartphone nachts im Kinderzimmer, so der Medienexperte. Er appelliert an die Eltern, auch wenn sie mit viel pubertärem Gegenwind rechnen müssen, standhaft zu bleiben und ihre Erziehungsverantwortung ernst zu nehmen. Letztendlich liegt es in der Hand der Eltern. Sie ermöglichen den Kindern den Besitz und Umgang mit digitalen Medien und sind verantwortlich, wenn ihre minderjährigen Kinder über das Smartphone freien Zugang zu nicht altersgerechten Inhalten (besonders Gewaltdarstellungen und/oder Pornographie) erlangen, beleidigen, mobben oder sich in digitalen Welten verlieren. Bevor Kinder und Jugendliche Inhalte über Whatsapp senden oder auf Youtube laden, riet er ihnen sich zwei Fragen stellen:

 „1. Würdet ihr dieses Bild auch eurer Oma zeigen bzw. schicken? 2. Würde es euch was ausmachen, wenn dieses Bild über einen Beamer am Pausenhof gezeigt wird? Nur wenn man beide Fragen mit "Ja" beantworten kann, sollte man das Bild in den sozialen Medien teilen."

Wolff erläuterte wie Google und Facebook, die Mutterkonzerne von YouTube und Whatsapp Geld verdienen: Indem sie von jedem einzelnen Nutzer Daten-Profile anlegen und diese an die Werbe-Industrie verkaufen. Die Kinder zahlen also doch für die Nutzung der großen Internet-Plattformen: Zwar nicht mit Geld, aber mit ihren privaten Daten und der Preisgabe ihrer Interessen. Mit den scheinbar kostenlosen Apps lassen sich Milliarden Daten sammeln und statistisch auswerten, um gezielt Werbung schalten zu können. Viele Prominente nutzen heutzutage Youtube, weil sie mehr Menschen erreichen und durch subtil geschaltete Werbung mehr verdienen. "Ronaldo z.B. besucht die Freekickers (YouTube-Kanal) und nicht die Sportschau, weil die Freekickers mehr Zuschauer haben", so der Referent. Finanziert wurde der Vortrag mit Medienpädagogen Daniel Wolff durch den Elternbeirat der Grund- und Mittelschule Pfeffenhausen und die Kommunale Jugendarbeit im Landkreis Landshut. Die Mittelschule Pfeffenhausen veranstaltet jährlich Vorträge zur Medienkompetenz, um die Schüler mit den Chancen und Risiken der digitalen Medien vertraut zu machen. Digitale Technologien sind aus der Lebenswelt der Schüler nicht mehr wegzudenken und ermöglichen grundsätzlich tolle Chancen, sei es durch den Erwerb zukünftiger digitaler beruflicher Kenntnisse, durch E-Learning, Robotic und vieles mehr. Die Mittelschule Pfeffenhausen bietet in Zusammenarbeit mit Schülervater und IT-Experten Martin Auer seit zwei Jahren den Workshop Lego-Robotik als Arbeitsgemeinschaft an. Zweimal beteiligte sich die Arbeitsgemeinschaft an der FirstLegoLeague an der OTH Regensburg. Kürzlich fand eine Lehrerfortbildung an der Schule im Umgang mit dem Minicomputer Calliope statt. Die Veranstaltung mit Medienexperten Daniel Wolff stellt einen weiteren Beitrag zur mündigen Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler an der Mittelschule Pfeffenhausen dar.

 

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