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Gemeinsame Wochenend-Fortbildung zum Konzept „Neue Autorität“ nach Haim Omer

06.05.19
 

Kinder zu Duckmäusern und zu Menschen erziehen, die sich unterordnen, den Mund halten oder widerspruchslos alles hinnehmen, möchte heute niemand mehr. Alles durchgehen lassen kann man den Kindern allerdings auch nicht. Disziplin ist eine wichtige Voraussetzung für Unterricht und Erziehung.

Dass Erziehung heute ein kompliziertes und Kräfte raubendes Handwerk ist, davon konnten die Lehrkäfte der Grund- und Mittelschule Pfeffenhausen und des Sonderpädagogischen Förderzentrums Rottenburg bei einer Kooperationsveranstaltung zur Genüge berichten.

Etliche Pädagogen waren der Meinung, dass das Unterrichten in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich schwieriger geworden sei. Sie kritisierten fehlende Disziplin, Stören, Streitigkeiten, Aggressionen und Beleidigungen, Mobbing, eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten, aber auch ein geringes Konzentrationsvermögen bei Kindern. Die Belastungen seien sowohl zeitlich als auch persönlich enorm, die Erwartungen, die von allen Seiten an die Lehrkräfte herangetragen würden, sehr hoch. Auch der Umgang mit Eltern sei nicht einfacher geworden.

Wie sollen Kinder heutzutage weder traditionell autoritär, noch antiautoritär zu mündigen, eigenverantwortlichen Menschen erzogen werden?

Mit dieser Frage beschäftigten sich rund dreißig Pädagogen des Sonderpädagogischen Förderzentrums Rottenburg zusammen mit einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen der Grund- und Mittelschule Pfeffenhausen, darunter auch Rektorin Gabriele Lechner und Konrektor Dr. Klaus Werner, in einer Kooperationsveranstaltung zum Thema „Neue Autorität“ nach Haim Omer. Eingeladen hatte Rektorin Sabine Obermeier. Sie organisierte die Fortbildungsveranstaltung mit Sonderpädagogin Karoline Amon-Dreer vom Institut für Neue Autorität Austria (INA), als Referentin und ermutigte die Teilnehmer zu einem neuen Verständnis von Autorität. Dabei lernten die Lehrkräfte die sieben Säulen der „Neuen Autorität“ nach Haim Omer kennen.

Die traditionelle Autorität besteht demnach aus Distanz, Furcht, Kontrolle, Hierarchie, Strafe und Vergeltung, eine Autorität die bestimmen und kontrollieren will, was das Kind macht. Autoritätspersonen, wie Eltern, Lehrer und Vorgesetzte gelten im Sinne der traditionellen Autorität als unangreifbar, sie schulden niemandem Rechenschaft. „Solange du deine Füße unter meinem Tisch…“ ist eine Aussage, an die sich viele ältere Teilnehmer noch erinnern. Dieses autoritäre Machtgehabe war gestern.

Die neue Autorität beruht auf Respekt, gesunder Distanz und Präsenz. Bei Präsenz geht es um eine Form von „Anwesenheit“ und „Da-Sein“, die nicht auf bloßer Macht und Durchsetzung gründet, sondern auf Beziehung der „Gleichwürdigkeit“ und Kooperation. Das Ziel ist, gerade auch in Konfliktsituationen, da zu bleiben, hartnäckig zu bleiben und auszuhalten, statt sich vom Kind abzuwenden und es fortzuschicken. „Es ist meine Pflicht/Verantwortung als Elternteil, als Lehrkraft, dass ich darauf achte, dass du …. Ich bin da. Ich bleibe da, weil es meine Pflicht als Erwachsener ist.“

Grundlage ist eine entsprechende Haltung, ein guter emotional enger Kontakt, eine Beziehung und ein Klima des Vertrauens und der Wertschätzung, sowie Pädagogen und Eltern, an denen sich junge Menschen orientieren und auch reiben können. Es geht um die aktive, respektvolle, wertschätzende und gewaltfreie Beziehungsgestaltung aller Verantwortlichen. Es gibt klare Ansagen von Eltern und Lehrkräften, die Kinder kennen die Regeln des Zusammenlebens und fühlen sich beaufsichtigt.

Transparenz und eine Wir-Haltung von Lehrkräften und Eltern, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Netzwerken, Beharrlichkeit und Wiedergutmachung sind weitere Säulen der „Neuen Autorität“. Kein Lehrer und Erzieher sollte als Einzelkämpfer arbeiten. Niemand muss und kann Erziehung alleine schaffen. Es gilt das afrikanische Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf“. Wichtig sind Netzwerke von Pädagogen untereinander und von Eltern. Diese nehmen ihre Erziehungsverantwortung gemeinsam, verantwortungsvoll und mit „wachsamer Sorge“ wahr.

In Konfliktsituationen und bei Auseinandersetzungen sollen Eltern und Pädagogen mit einer klaren Haltung zwar sofort reagieren, den Konflikt aber später bearbeiten, sich einen Aufschub zur Beruhigung gewähren, bis Kinder, wie Erwachsene den emotionalen Zustand des „Reptiliengehirns“ verlassen und wieder bei sich angekommen sind, wie es ein Teilnehmer formulierte.

„Körbemodell“

Die Workshop-Teilnehmer lernten das Drei + Ein-Körbe-Modell nach Greene kennen, um gewünschtes und ungewünschtes Verhalten zu differenzieren und Prioritäten zu setzen. Das nach dem Ampelsystem aufgebaute Modell (Roter Limit-No-Go-Korb, gelber Kompromiss-Korb, grüner Akzeptanz-Korb und blauer Ressourcen- Korb) schafft Klarheit über die unterschiedlichen Bereiche und beim Finden von gemeinsamen Lösungen.